Im Moment gibt es eine Art „Goldgräbermentalität“ im Rednermarkt. Viele meiner Rednerkollegen übertreffen sich darin, anderen Menschen weis zu machen, dass jeder innerhalb kurzer Zeit ein guter Redner werden kann. Jemanden, der ein Talent hat, auf diesen Markt hinzuweisen und mit Wissen zu helfen einen Einstieg zu finden ist klasse. Aber Versprechen wie „nach meinem 2tägigen Seminar bis du an deinem schlechtesten Tag, an dem du Grippe hast und unausgeschlafen bist, besser als alle anderen Redner nach Jahren“ haben so viel Wahrheitsgehalt wie die Versprechen, die mit folgendem Text für Kapitalanlagen werben „Bei uns 10% Rendite ohne jedes Risiko mit täglicher Verfügbarkeit“. Aber auch auf diese Anzeigen fallen immer wieder Menschen rein. Ich würde mich schämen, solche Versprechen zu geben. 

Meines Erachtens ist wirkungsvolles speaking eine Kontextkunst. Man tauscht Energie mit dem Publikum aus. Das heißt man sendet Energie und dann kommt eine bestimmte Energie zurück. Diese muss ich wahrnehmen und aufgreifen. Wahrnehmen kann ich diese Energie nur wenn ich aufmerksam bin und meinem Publikum zuhöre und mit ihm in Interaktion trete. 
Das, was vom Publikum zurück kommt, bestimmt den weitern Verlauf meiner Performance. Das lässt sich nicht oder nur bedingt planen und ist deshalb Kontextkunst. Und die kann ich nur an einem Ort üben: live auf der Bühne !!! Und das geht eben nicht schnell, sondern wächst in der Regel während vieler Auftritte und reift lange wie ein guter Whiskey in Eichenholzfässern. 

Und gerade dieser Kreislauf zwischen Publikum und mir als Redner, macht speaking für mich gso reizvoll.